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Montag, 15. Februar 2016

PP512 - Hans Jørgensen Wegner

Über Hans J. Wegners Leben ist mittels Internetrecherche erstaunlich wenig in Erfahrung zu bringen. Auch der Umstand, dass ich dänisch lesen kann hilft mir in meinen Nachforschungen wenig weiter. Sein gestalterisches Schaffen, das gerade Ende der 40er Jahre, als Wegner Mitte 30 war, seinen kreativen Höhepunkt erreichte, ist zwar sehr gut dokumentiert, aber über Wegners Privatlleben und seine Einstellung gegenüber politischen oder weltgeschichtlichen Vorgängen ist nichts bekannt.

Ich habe mir bei meinen ersten Überlegungen zum Nachbau des Klappsessels viel Gedanken darüber gemacht, was dieser Däne wohl davon hielte, wenn ein Anfang fünfzigjähriger Deutscher sich intensiv mit einem seiner Entwürfe beschäftigt und den Plan fasst so ein Möbel nach zu bauen.

Dänemark war von 1939 bis zur Befreiung 1945 von deutschen Truppen besetzt. Das deutsch-dänische Verhältnis war lange und zurecht durch diese Tatsache belastet. 1949 waren die Erinnerungen an die Besatzungszeit bei den Dänen noch sehr präsent. Man sollte meinen, dass diese Geschehnisse heute - nach über 60 Jahren - keine bedeutende Rolle mehr spielen. Das ist aber nicht so. Selbst mich als Kind des Baby-Booms Anfang der 60er Jahre belastet diese Erinnerung und ich wüsste gerne, welche Einstellung ein Däne, der diese Zeit erlebt hat, gegenüber Deutschland und den Deutschen hat.

Über Wegners Erlebnisse in der Kriegszeit konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Wie sein Verhältnis zu den Deutschen war kann nicht einmal spekulativ erschlossen werden. Es ist bekannt, dass er in den Kriegsjahren in Århus hochproduktiv war und seine Kreativität stetig steigerte. Noch in Århus 1943 gründete er sein eigenes "Studio", das er 1946 gleich nach dem Krieg nach Kopenhagen umzog.

Vielleicht war Hans J. Wegner ja ein unpolitischer Zeitgenosse, der sich von den äußeren Umständen nicht beirren ließ. Darin liegt nichts unehrenhaftes. Ich möchte mir wünschen, dass das so ist und dass er meinen Bestrebungen allenfalls wohlwollend kritisch gegenüber stände.

PP512 - FOLDESTOLEN von Hans J. Wegner

Da ich nicht selten Kanus in unser Wohnzimmer wuchte, an denen ich Reparaturen vornehme fiel die Wahl bei den Überlegungen zur Neuanschaffung unserer verschlissenen Sesseln auf Klappsessel, die schnell zur Seite geräumt sind, wenn Platz für ein Kanuprojekt benötigt wird. Eine Internetrecherche (ein umfängliches Bildverzeichnis entstand dabei - s.u.) bezog anfangs auch Sessel mit ein, die sich nicht falten lassen aber leicht genug sind. Sie fokussierte sich aber immer stärker auf den Folding Chair von Hans J. Wegner.


Wegner hat den Sessel 1949 entworfen. Der Sessel gilt als eigenständiger Entwurf obwohl er offenbar aus früheren traditionellen Entwürfen oder auch solchen anderer Gestalter abgeleitet wurde. Unter anderem dem Briten Ebert Wels wird ein sehr ähnlicher Sessel (entworfen 1928) zugeordnet (mehr dazu). Zwischenzeitlich wurden Varianten dieses Sessels offenbar in Italien oder in Osteuropa produziert. Als Neumöbel werden sie aktuell nirgends angeboten.

Wegners Variante dieses Sessels wird gegenwärtig unter der Bezeichnung PP 512 von PP Møbler in Dänemark hergestellt und kann für ungefähr 4.000 € erworben werden. Wer ein gut erhaltenes Original aus den 50er Jahren haben möchte sollte pro Exemplar 5.000 € auf die hohe Kante legen und geduldig warten bis ihm mal ein passendes Angebot über den Weg läuft. Ganz gelegentlich werden die Sessel auch als Paar angeboten. Eine großartige Bezugsquelle ist das dänische Auktionshaus Lauritz, wo immer wieder derartige Möbel angeboten werden. Die anfallenden Versandkosten fallen angesichts der erreichten Preise und der Tatsache, dass es sich um Faltgestühl handelt nicht weiter ins Gewicht.


Wer bei den einschlägigen Suchmaschinen nach Bildern zu diesem Sesselmodell sucht findet zahlreiche Abbildungen, die die Details dieses handwerklich tadellos gefertigten Sitzmöbels offenbaren. In meiner Bildersammlung habe ich zahlreich dieser Bilder in höchstmöglicher Auflösung gesammelt denn die Entscheidung von diesem Modell schließlich ein Paar selbst nachbauen zu wollen bahnte sich recht früh in der Recherche ihren Weg.

Detaillierte Pläne des Sessels sind selbstverständlich nicht im Internet zu finden. Im PDF-Katalog dieses Sessels von PP-Møbler ist ein noch grobere Skizze abgebildet, die Maße enthält. Eine detailliertere Skizze ohne Maße ließ sich auf einer Diskussionsseite auftreiben. Sie wurde aus einem Buch kopiert und ich habe Skrupel sie hier einzubetten.


Überhaupt "Skrupel": Natürlich stelle ich mir die Frage ob ich einen Copyright-Verstoß begehe, wenn ich einen Entwurf nachbaue, der auf einen namentlich bekannten Gestalter zurückgeht und der bei einem von ihm autorisierten Möbelhersteller fortwährend gebaut wird. Andererseits gibt es eine Reihe von z.T. älteren Varianten dieses Sessels und meine beiden "Nachbauten" haben keine Chance mit der handwerklichen Perfektion des Originals Schritt zu halten. Ich werde notgedrungen abweichende Maße verwenden, die Proportionen geringfügig verschieben, andere Holzverbindungen einbeziehen und mit Materialien arbeiten, die mir zugänglich sind. Insbesondere die Frage nach dem Bespannungsmaterial ist fortwährend völlig ungeklärt.